Jörg Hamann / helle nächte / in parks
 

Sagenhaftes

Am westlichen Eingang der Rostocker Wallanlagen befindet sich die so genannte "Teufelskuhle". Eine Sage besagt, das an der Stelle dieser tiefen und abschüssigen Wassergrube vor Zeiten ein großes, schönes Schloss gestanden haben soll. Dessen Herr führte ein gar gotteslästerliches Leben und wurde dafür vom Teufel mitsamt seinem Schloss tief in den Boden gestampft. So entstand der kleine, tiefe See. Alte Rostocker schwören Stein und Bein darauf, bei klarem Wetter Ruinenreste oder Turmspitzen in der Kuhle gesehen zu haben. Außerdem so heißt es, läßt sich einmal jährlich in der Mittagsstunde des Johannestages (24. Juni) eine silberne Schüssel mit einem ebensolchen Löffel erblicken. Diese Mär löste sich für mich zwar noch nicht ein, aber meine Intentionen an dem Ort sind auch stets andere. Tatsache und eine weitere Gemeinsamkeit dagegen ist der historische Kontext, der all diese Orte formte:


Jüngere Geschichte

Die Volksparks bergen große Hinterlassenschaften des 2. Weltkrieges. Unter dem Humboldthain ruhen Bunkeranlagen, die nicht zu sprengen waren. In ähnlichen Anlagen des Friedrichshains lagerte man bei  Luftangriffen viele Berliner Kunstschätze ein, die teilweise dennoch dort verbrannten; Malereien des von mir geschätzten Francesco Zurbaran beispielsweise. Nach Kriegsende wurden auch diese Bunker zum "Mont Klamott" mit Unmengen von Trümmern aufgeschüttet. Und am Grund von der besagten "Teufelskuhle" in Rostock liegen bis heute zahlreiche Kriegsgerätschaften, die man dort kurz vor dem Kriegsende eilig versenkte.

Nur im Berliner Tiergarten konnte man das Zuschütten der Flussläufe und Seen mit Trümmern verhindern. Der Baumbestand jedoch wurde damals zur Brennholzgewinnung enorm dezimiert.


Projekt und Arbeitstechniken


Zu meiner Arbeit. Mit Geduld begebe ich mich seit 6 Jahren auf eine ruhige, zumeist abendliche Suche nach Natur - und Landschaftseindrücken innerhalb des Stadtraums, aber abseits von jeglichem Trubel. Beim Finden meiner Bilder beobachte ich inzwischen gelassen die Wiederkehr der Jahreszeiten und vertraue auf die Kraft des visuell - emotionalen Erlebnisses. In jeder Blattform kann sich für mich ein Element der Weltganzheit zeigen. Die Bilder, die so entstehen, sowie die Herangehensweise könnte man auch in der Tradition der Romantik sehen. Wie die Romantiker vor fast 200 Jahren mit der Feldstaffelei von der ersten Studie vor der Natur, über den Gebrauch der Camera Obscura zu ihren durchkomponierten Landschaftsbildern kamen, versuche ich mit digitaler Langzeitbelichtung und dem Stativ zu einer verdichteten Bildkomposition zu gelangen. Das minutenlange Verweilen zu den stillsten Stunden der Nacht bringt eine kontemplative Atmosphäre mit sich und schließt alle unmerklichen Bewegungen und Veränderungen der Pflanzenwelt ein. Andererseits schließen die Nacht-aufnahmen bedingt durch die Dunkelheit fast alle Grüntöne der Natur aus. Beim Einfrieren eines "magischen Momentes" mit einer Belichtungszeit von mehreren Minuten nehme ich die Vegetation mit Hilfe des mir zu Verfügung stehenden Lichtes am Himmel über der Stadt auf. Dieses Restlicht wird immer durch die tages - und jahreszeitabhängige Luftfeuchtigkeit gebrochen und gestreut. Es weist somit verschiedene Farbstiche auf, die in Langzeitbelichtungen noch verstärkt werden. So kommen die Aufnahmen zu ihrer subtilen Farbigkeit.


Präsentation

Mit der Zeit haben sich nebeneinander 2 Formen der Präsentation ergeben.

Die Fotografien der Serie "helle nächte" werden als  C-Prints gerahmt gezeigt. Die Arbeiten der Werkgruppe "in parks" werden malerisch als Siebdrucke umgesetzt. Alle Platten sind 2-farbig. In Anlehnung an das "Abendlicht" werden einige Platten über Nachleuchtfarbe gedruckt und strahlen im Dunkel Licht ab. Andere werden mit Lack übergossen und glänzen dunkel. Zum Diptychon oder Triptychon zusammengefügt, werden aus den einzelnen Bildfragmenten Kompositionen in Form von großen Tag und Nacht-Panoramen. Seit 2005 sind parallel mehrere Kurzfilme (DVD) entstanden.